I.T.V. Holz-Art Gallery

Eugen Galasso

Die neue Ausstellung Annemarie Ambrosoli‘s, dessen Titel "Ensemble" lautet, deutet gerade schon in emblematischer Form auf den Sinn ihres Kunstschaffens und zwar auf die Einheit der Teile, d.h. auf die Tatsache, dass die Einheit des Werkes niemals die Bedeutung der einzelnen Teile verdrängt, wobei anderseits die Teile immer wieder auf die Einheit hinweisen. Man sieht also den Wald, ohne die Bäume zu vergessen, wenn wir auf einen bekannten Spruch zurückgehen, der auch als Symbol der "Einheitsphilosophie" Hegels und einer ästhetischen Auffassung gilt. Farbe und Form sind bei der Künstlerin zugleich impliziert, sodass eine schöpferische Einheit entsteht. Ohne jetzt im Detail die großen Farbenlehren im Detail angeben zu wollen, können wir problemlos behaupten, Goethes, Schopenhauers, Steiners wie auch Klees und Kandinskys Entwürfe zum Grundthema der Malerei seien anhand dieser Malerei, wenn auch nicht vollständig, zum Großteil zu bestätigen. Ambrosoli‘s Landschaften sind Landschaften der Erfahrung und der Erinnerung (die Künstlerin ist in Ahrntal geboren, aufgewachsen und lebt manchmal noch in ihrer Heimat), wohl aber auch des Traumes. "Wirklichkeit" und Reverie verbinden sich bei ihr so eng, dass eine neue Einheit als Synthese entsteht, natürlich unter der Bedingung, man nehme die barocke Einstellung nicht an (vgl. z.B. Calderon der la Barcas "La vida es sueno", von Grillparzer als "Der Traum ein Leben" in den 30. Jahren des 19. Jhds. umschrieben). "Postimpressionismus", wenn man unbedingt eine formelhafte Bezeichnung der Kunstform sucht und braucht, aber auch die Er-findung neuer Wege und neuer Chancen, sozusagen vom Bekannten ausgehend: Annemarie Ambrosoli hat die Malereitechnik vertieft, verwendet sie jetzt im breiten Sinne des Wortes, ohne dass die Technik eine überdimensionierte Rolle bei ihrem Schaffen und in ihren Schöpfungen spielt. So hat sie die Perspektive verinnerlicht, um jetzt neue Perspektiven zu schaffen, wobei ähnliche Beispiele für die Farben und Farbenschattierungen anzugeben wären; nicht allzu starke Farben bzw. Farbenschattierungen bedeuten keineswegs, diese Farben oder Farbenschattierungen seien weniger lebhaft oder weniger aussagekräftig, ganz im Gegenteil...

Eugen Galasso (Jahr 2011)
Kunstmesse – Arte Padova 2011

Licht am Weg, 2001, Öl
Licht am Weg (Privatsammlung)
2001, Öl
Das gelbe Haus, 2008-2010, Öl
Das gelbe Haus
2008-2010, Öl
Festtag, 2011, Öl
Festtag
2011, Öl
Farbenspiele, 2011, Öl
Farbenspiel (Privatsammlung)
2011, Öl

Bei Annemarie Ambrosoli gilt die Landschaft als Seelenlandschaft, wohl als Heimatsort, als Ort des Daseins, der Selbstfindung, wo das, was wir, vielleicht irrtümlicherweise, als "Archetypen", als Urformen bezeichnen, der Grund-und Tiefebene unserer Psyche entspricht. Es geht nicht darum, die einzelnen Ortschaften genau zu erkennen bzw. zu bezeichnen, obwohl auch diese Tätigkeit interessant und erfreulich sein kann, es geht um die Selbsterkenntnis, die durch diese Formen, Zeichen und Farben zustande kommt, wobei natürlich die drei Elemente synästhetisch zusammengehen und eine vollständige Einheit bilden.   Diese Art Malerei, wo die sanften und zugleich starke Schattierungen der Farben einen Ton vermitteln drückt nicht weniger als die Musik (trotz der schopenhauerschen Auffassung) die unbewussten Gänge der Psyche aber auch des Geistes aus. Sie ist an für sich schon "Musik", lässt sich als solche auslegen und durch dieselbe ergänzen,  ist potentiell was sich den engen Grenzen der Ratio entzieht. Eher mit Chamissos Erzählungen oder mit von Eichendorffs Gedichten vergleichbar als mit Hoffmanns Novellen bzw. Romanen, liefert uns die Malerei dieser Künstlerin weitere Chancen, uns selbst sowie die Natur zu erkennen. In unserer Zeit, wo uns alle möglichen Zeichen regelrecht überfluten, kann uns Annemarie Ambrosoli auf Neues und zugleich Ewiges hinweisen. Keine "abstrakte" Kunst (der Ausdruck bezeichnet eigentlich nichts mehr oder kaum noch etwas...), wohl aber eine neue Form der phantastischen Malerei, wobei "phantastisch" nicht nur einen Fluchtweg, sondern eine neue und schöpferisch-divergente Erkenntnisform bezeichnet.

Prof. Eugen Galasso (Jahr 2011)

Passion, 2011, Öl
Passion
(Privatsammlung)
2011, Öl
Schneiderwiesen, 2008, Öl
Schneiderwiesen
(Privatsammlung)
2008, Öl
Spuren des Frühlings, 2009, Öl
Spuren des Frühlings
2009, Öl

“…es geht fast ausschließlich um Landschaften, wobei dieselben aber – durch eine angebrachte Synthese zwischen Formen und Farben träumerisch und z.T. fast im Sinne der Abstrakten Kunst zum Ausdruck kommen. Ölbilder …wobei vielleicht eher die träumerisch/onyrisch/phantastische Schicht ihrer Persönlichkeit zum Vorschein kommt. Bei Ambrosoli’s Kunstwerken kann man wohl nicht sagen, „bei so vielen Bäumen sehe man den Wald nicht mehr“. Ganz im Gegenteil ist jedes Einzelelement ein Spiegel des Ganzen, Text und Kontext ergänzen sich und entwickeln sich ständig weiter. Jeder Baum, jede Wolke, jedes Haus, jede Kirche widerspiegelt das Licht, das laut Goethe (siehe seine Farbenlehre) die Farben und die Kunst prägt. Südtiroler Landschaften, aber auch Landschaften, die dem stillen Ozean oder auch Polynesien entsprechen könnten. Phantasie und Wirklichkeit, Subjekt und Objekt verbinden sich hier in hervorragender Form.

Sonnenstraße, 2004, Öl
Sonnenstraße
2004, Öl
Vergangenheit und Gegenwart, 2004, Öl
Vergangenheit und Gegenwart
2004, Öl